SLRG Sektion Höngg - Ertrinken

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Ertrinken, was passiert im Körper?

Ein kleiner Exkurs zum Thema Ertrinken...

Ertrinken:

Definiton: Verlegung der Atemwege nach Untertauchen in Wasser oder in anderen Flüssigkeiten. Man unterscheidet primäres und sekundäres Ertrinken.

Primäres Ertrinken

Phase 1: Abwehrphase
Der Ertrinkende schlägt in panischer Angst um sich, gerät mit dem Kopf unter Wasser, schluckt Wasser und verliert das Bewusstsein in Folge von Sauerstoffmangel.
Phase 2: Atemanhaltephase
Anstatt Luft erreicht Wasser den Kehlkopfeingang, wodurch ein Reflex ausgelöst wird (Stimmritzenkrampf), der das Eindringen von Wasser in die Lunge verhindert, indem sich der Kehlkopfdeckel schliesst. Dieser Zustand kann ca. 30sec. andauern und zum Teil bis zum Tod bestehen bleiben. Dieser Vorgang wird als "Trockenes Ertrinken" bezeichnet, weil kein wasser in die Lunge gerät und tritt bei 10-40% der Fälle auf.
Phase 3: Erstickungsphase
Nach dem Ausfall des Reflexes wird Wasser in die Lunge eingeatmet und dringt in die Lungenbläschen ein. In diesem Fall spricht man von "Feuchtes Ertrinken".
Phase 4: Krampfstadium
Durch Sauerstoffmangel im Gehirn können Krämpfe der Muskulatur auftreten.
Phase 5: Atemstillstand
Zeitpunkt des Atem- und Kreislaufstillstandes durch Sauerstoffmangel. Der Sauerstoffmangel führt zum Atem- und Kreislaufstillstand.
Phase 6: Finale Schnappatmung
Diese Form der Atmung ist aus der Symptomfolge des Kreislaufstillstandes bekannt.

Versinken

Phase 1 des Ertrinkens wird übersprungen, der Ertrinkende versinkt lautlos im Wasser. Ursachen können Herzrythmusstörungen oder eine Minderversorgung des Gehirns sein, die zur Bewusstlosigkeit führen, aber auch Alkoholrausch, Hyperventilation oder epileptische Krampfanfälle.

Reanimation

Da während des Ertrinkungsvorganges häufig Wasser getrunken wird und der Magen danach prall gefüllt ist, ist bei der Herz-Lungen-Wiederbelebung besodere Vorsicht bezüglich des Druckpunktes geboten, da eine erhöhte Gefahr des übergbens und somit der Aspiration besteht.
Aber aufgepasst! Ob Versinken oder Ertrinken, ob feucht oder trocken: auch nach erfolgreicher Reanimation ist die Gefahr noch lange nicht vorbei!

Sekundäres Ertrinken

Patienten, die den akuten Ertrinkungsunfall überlebt haben, sind noch nicht endgültig ausser Gefahr. Bei einem Teil der "Beinahe Ertrunkenen" entwickelt sich noch Minuten bis Stunden nach dem Ertrinkungsunfall ein schweres Lungenödem, was zum sekundären Ertrinken führt. Süss- bzw. Salzwasser hat dabei eine unterschiedliche Auswirkung,es führt aber in beiden Fällen zu einer unzureichenden Sauerstoffversorgung im Blut und somit zum Ertrinkungstod, auch wenn weit und breit kein Wasser mehr zu sehen ist.
Süsswasser wird in der Lunge sehr schnell aufgenommen: zum einen bildet sich um die Lungenbläschen ein huchdünner Wasserfilm, was den Gasaustausch verhindert; zum anderen gelangt das Wasser in den Kreislauf und verdünnt das Blut. Die roten Blutkörperchen nehmen Wasser auf, bis sie platzen. Das Süsswasser ist praktisch nicht mehr aus der Lunge abzusaugen.
Salzwasser dagegen zieht das Blutplasma aus dem Kreislauf in die Lungenbläschen, das Blut dickt ein, die roten Blutkörperchen kollabieren. Was den Gasaustausch ebenfalls blockiert.
Wegen der stets drohenden Gefahr eines sekundären Ertrinkens sind alle "Beinahe-Ertrinkungen" auch nach überraschend schnell einsetzender Besserung stets unverzüglich in ärztliche Behandlung zu überführen.
Quelle: Rettungsassistent/Rettungssanitäter Springer Verlag